Geht es zuende?

Gutesten Abend, allerseits!

Der Post-Titel lässt zwar auf eine gewisse Dramatik schließen, aber.

Nach einem guten Jahr der Listenabstinenz und diversen (nicht weiter erwähnenswerten) äußeren Faktoren, die meinen Schreibwahn ein wenig betäubten, folgt hier der vorsichtige erste Post 2017. Es ist im Zuge dessen noch etwas verfrüht, sich auf eine Regelmäßigkeit einzustellen. Nichtsdestoweniger gelobe ich - wie gewohnt - Besserung.

Was bisher geschah ...

(Politische Unruhen und gefühlsduselige Verwirrungen werden aus Gründen des Jugendschutzes unerwähnt gelassen)

Früher (!) ging es mir irgendwie leichter von der Hand, belangloses Zeug zusammen zu schreiben, es im Zweifel unter "Hirnsachen" zu kategorisieren und tadaaa - Blogpost.

Ja früher.

Und nun, so im Alter (!!), bin ich so sehr mit den Hirnsachen des Alltags beschäftigt, um der wunderbaren Welt aus Belanglosigkeiten nicht mehr den nötigen Wert beizumessen und ihn einfach zu ignorieren - bis ich nachts dämlich im Bett herumliege und mir im Kopf diverse Artikulierungen dieser herrlichen Bedeutungslosigkeiten einfallen. Damit ich einschlafen kann (weil schlafen super ist - Partymachen des Alters und so - und ich dadurch am nächsten Tag einfach besser funktioniere [und durch die Erfüllung bedeutungsloser Aufgaben Geld verdiene, damit ich mir ein paar schöne Tage im Jahr finanzieren kann, um so wieder neue Inspirationen für noch mehr wunderbaren Schwachsinn zu holen]), nehme ich mir jedes Mal vor, mir am nächsten Tag die Mühe des Aufschreibens zu machen.

Natürlich mache ich das nicht (siehe nicht vorhandene Posts der letzten 365 Tage).

Deswegen habe ich nicht so oft ein schlechtes Gewissen, wie ich eigentlich hätte haben müssen, wenn ich nur ein quentchen künstlerischen Anspruchs besäße.

Tja, das Alter.

Mit dem Älter werden auf körperlicher Ebene habe ich nicht so sehr ein Problem - ich bin sogar schon ein bisschen stolz auf meine ersten paar grauen Haare. Aber geistig geht bei mir gefühlt eine Horrorshow aus dem Gruselkabinett ab. Liste eins, Attacke:
  1. Ich vergesse noch mehr als vorher
  2. Alles, was ich früher geschrieben habe, ist mir mittlerweile peinlich, aber ich habe mittlerweile die geistige Größe (altersbedingt...), diese Peinlichkeiten nicht zu vertuschen (zumal das Internet im Gegensatz zu manchen Menschen nie vergisst)
  3. Entscheidungen werden nicht mehr leichtfertig aus dem Bauch heraus vorgenommen, sondern eine angemessene Zeit durchdacht und abgewogen
  4. Alle vermeintlichen Fakten werden sicherheitshalber nochmal recherchiert oder Annahmen werden getroffen
  5. Ich mache mir Gedanken über Kommasetzung
  6. Neben dem Schreiben auftretende Geräusche lenken mich ab
  7. Ich verwende den Konjunktiv (siehe vorvorvorheriger Absatz)
  8. Die Gedanken kreisen plötzlich um "inhaltliche Relevanz"
  9. Überhaupt einen Satz sinnvoll zu erzeugen erfordert mittlerweile mehr geistige Kapazität als vorher (und dann kommt noch nicht einmal etwas revolutionäres dabei heraus - enttäuschend!)
Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein, im Zweifel ist das Alter daran schuld (siehe Punkt 1, Liste eins). Aber ich möchte diesen mächtigen Wust aus Gedankenquatsch loswerden und habe noch so viele Listen im Kopf, dass ich gar nicht weiß, mit welcher ich als nächstes weitermachen soll.

Die besten Rocksongs der letzten Woche? Eine Facebook-nervt-mich-Diss-List? Beliebteste Dinge mit Pfefferminze? Nervigste Mistmenschen 2017? Beste Reason-Funktionen? Lieblingsfolgen aus Akte X? Neue Lieblingswörter? Frustrierende Erkenntnisse aus der grausamen Realität?

So sollte ich wohl besser eine angemessene Zeit abwägen und durchdenken, für welche Liste ich mich entscheide (siehe Punkt 3, Liste eins). Oder vielleicht sollte ich mir eine Liste erstellen, in der die möglichen Listen aufgelistet sind, um mir die Entscheidung zu erleichtern.

Ach was, das wäre nun geradezu ineffizient und viel zu unreif für mein Alter.

Angemessene Denkpause ...

Liste zwei - an diesen Faktoren mache ich, als Erwachsene (!), meine Entscheidung für eine Listenerstellung in diesem Blog fest:
  1. Es interessiert mich brennend
  2. Es könnte euch auch interessieren
  3. Es beschäftigt mich so sehr, dass es einfach formuliert werden muss (auch wenn das nicht mehr so einfach geht - siehe Punkt 9, Liste eins)
  4. Es befriedigt in gewisser Weise einen schwach ausgeprägten Ordnungszwang
  5. Es inspiriert mich zu neuen Gedanken
  6. Keine Sau würde das sonst tun, also muss sich einer opfern
Gut, das wäre geklärt.

Liste drei - die Diss-List in Bezug auf mehrere soziale Netzwerke:
  1. Irreführender Linkdump: Eine Headline verspricht dir "Zeitreisen - jetzt möglich!" und dann klickst du voller Freude und Hoffnung auf einen Artikel, der aus lauter schlecht zusammen kopierten Einträgen von nutzlosen Käseblättern und Werbebannern besteht und ärgerst dich am Meisten darüber, dass du Idiot schon wieder auf die Penner hereingefallen bist (siehe Punkt 6, Liste zwei).
  2. Werbeanzeigen: Jaja, kostenlose Angebote müssen Werbung für ihr Fortbestehen schalten, blasülz. Muss denn wirklich jede dämliche Google/Amazon/eBay-Suche nach Geschenken für die Muttis mit den eigenen Interessen so merkwürdig verschwurbelt werden, dass Anzeigen mit "Hellraiser Fischer", "Kitchen Aidan von Lindisfarne" oder "Let's Dead Can Dance" erscheinen können?
  3. Verkäufer, die ihren Kram irgendwo zustellen lassen und dann von dir verlangen, die gesamte Nachbarschaft inklusive aller umliegenden Postämter nach deinem popeligen Briefumschlag zu durchkämmen: Natürlich hast du schon im Voraus bezahlt. Und selbstverständlich ist es ein Geburtstagsgeschenk. Welches du vor zwei Monaten bestellt hast, damit es auf jeden Fall rechtzeitig ankommt. Und logischerweise ist es immernoch verschwunden. Der Geburtstag ist übermorgen und in weiser Voraussicht (...) hast du genügend Alternativen - aber hier geht es ums Prinzip.
  4. "Dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar" Ach, fass mich an die Füße!
  5. Alerts: Da ist man mal einen Monat nicht bei Facebook angemeldet und schon hat man 283 ungelesene - angebliche - Statusupdates, weil zwischenzeitlich ganze zwei vergessene Freundschaftsanfragen angenommen wurden, man aber frevelhafterweise noch nicht deren Seite besucht hat. Diese Meldungen hören übrigens erst auf, wenn man besagten Besuch vorgenommen hat (Stand: 18.04.2017 - siehe Punkt 4, Liste eins).
  6. Veranstaltungen: Langsam werde ich müde und es ist noch längst nicht alles gesagt.
Ich gehe dann mal schlafen - um 21:24.

Motivation vor Kapitulation

Moin allerseitsens,

es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass ich zuletzt in diesem Blog etwas gepostet habe. Woran es liegt, wissen die meisten, und dass sich das spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahres (vorausgesetzt, ich bestehe im ersten Anlauf) wieder ändern wird, ist ebenfalls bekannt.




Dennoch habe ich seit gut zwei Monaten echte Schwierigkeiten, mich selbst in den Arsch zu treten. Das liegt (abgesehen von der Unmöglichkeit, dies nicht bildlich gesprochen zu tun) an mehreren Faktoren (Arbeit, Qualität des Lernthemas, schlechtes Gewissen gegenüber Angehörigen und Freunden, Dramatiken in Bezug auf Angehörige und Freunden, körperliche und geistige Degeneration, Sinnkrisen aus dem Vergleich der medialen Katastrophendokumentation und der eigenen Bedeutungs-, Hilfs- und Nutzlosigkeit, verpasste denkwürdige Ereignisse, etc.) und lässt sich wahrscheinlich bis zum Abschluss dieses Prozesses nicht gänzlich abstellen (zum Beispiel habe ich aktuell gerade überhaupt keine Lust, mich mit der aktuellen Lektion zu befassen...).


Was mir in letzter Zeit gegen den Hinschmiss meines mittlerweile stark hinterfragten Vorhabens helfen konnte, war eine Liste mit Notizen zu Dingen, die ich tun werde, sobald ich meinen Abschluss habe. Auf dieser Liste sind vorzugsweise wiederholbare Ereignisse, die ich in den vergangenen 17 Monaten verpasst habe. Die einmaligen Ereignisse lassen sich logischerweise nicht wiederherstellen. Zusätzlich wird diese Liste mit neuen "Träumen" und Vorhaben gefüllt (die mittlerweile nach dezidierter Risiko-Analyse auf Realisierbarkeit geprüft sind, um mir Enttäuschungen über geplatzte Träume und fehlinvestierte Energie zu ersparen).

Nun wurde ich gebeten, diese Liste für die freie Nutzung zu veröffentlichen, was ich hiermit gern tue (Anmerkung: die Liste ist nicht vollständig, wurde ohne Reihenfolge erstellt, bezieht sich auf den Stand August 2015, basiert sowohl auf Wünschen als auch Gewohnheiten und enthält nur Ereignisse, die die Privatsphäre Dritter nicht stört. Die Nummerierung dient nur als Mengenindikator und stellt keine qualitative Präferenz dar.).

"Dinge, die ich tun will, wenn ich meinen Abschluss habe":
  1. Keiner Privatveranstaltung aufgrund der Weiterqualifizierung absagen müssen
  2. Weltversteher-Abende und legendäre Nächte mit Freunden verbringen
  3. Familienfeiern und -aktivitäten voll auskosten
  4. Bücher lesen, die mich lediglich unterhalten sollen und nicht fachlich weiterbilden müssen
  5. Ultragründlich ausmisten und als nutzlos deklariertes verschenken oder sonstwie sachgerecht loswerden
  6. Aufräumen (alles, nicht nur die Wohnung)
  7. Kanufahren (unspezifiziert)
  8. Bei Sonnenschein auf einer Wiese liegen und die Zeit vergessen
  9. Konzerte besuchen
  10. Malen - egal was, wie oft, wie lang, wozu
  11. Musik machen - egal was, wie oft, wie lang, wozu
  12. Dummheiten machen (am Besten im Rudel)
  13. Klavierspielen an einer Musikschule lernen
  14. Latein lernen
  15. Regelmäßig Schwimmen gehen
  16. Einen Kräutergarten pflanzen und pflegen
  17. Fit für die aktive Teilnahme an einer sportlichen Veranstaltung werden
  18. Zum Dockville gehen, wenn das Programm gut ist
  19. Zum Wutzrock gehen
  20. Urlaub machen, ohne zu lernen
  21. Die Wohnzimmerdecke flicken und streichen
  22. Eine Pilgerreise unternehmen
  23. Zelten
  24. Geschenke basteln
  25. Diesen Hüpfladen in Stellingen austesten (irgendwas mit ner Menge Trampoline, etc.)
  26. Tanzen gehen (also eher abzappeln...)
  27. Einen Tanzkurs für Charleston, Lindy-Hop oder vergleichbares finden und diesen bis zum bitteren Ende besuchen
  28. Stricken lernen, ohne süchtig zu werden
  29. WoW zocken, ohne süchtig zu werden
  30. Einen neuen Plattenspieler erwerben und damit wieder Schallplatten hören (auf dem Boden sitzend, den ganzen Tag am Besten...)
  31. Zum Falkensteiner Ufer radeln und dort die Zeit vergessen bis man wieder heim will
  32. Durch Waldenau laufen und gucken, was man noch wiedererkennt
  33. An nichts denken
  34. Über andere Dinge nachdenken
  35. Die Perseiden angucken
  36. Spontan am Wochenende unterwegs oder auf der Couch oder beides sein
  37. Die Kieler Woche (an einem nicht so vollen Tag) besuchen
  38. Mal nach Rügen fahren
  39. Krabben pulen in Büsum
  40. Schwimmen im Schalsee
  41. Steine übers Wasser flippen lernen
  42. Eine Hyposensibilisierung beginnen
  43. Die Realisierbarkeit einer mobilen Heimat (Entscheidung treffen, ob es nun VW-Bus, Hausboot, Wohnmobil, Bauwagen, etc. wird) prüfen und vorantreiben
  44. Autofahren
  45. Den eigenen Eisenhaushalt verbessern
  46. Zu Vorsorgeuntersuchungen gehen
  47. Einen Couchtisch besorgen, der keine schmerzhafte Stolperfalle ist
  48. Schlittschuhlaufen
  49. Weniger Peinlichkeiten im Arbeitsumfeld produzieren
  50. Nochmal den Knigge lesen
  51. Nochmal die prägendsten Bücher meines Lebens lesen
  52. Ballast abwerfen
  53. Mich an meine Kindheit und Jugend besser erinnern
  54. Ein Tagebuch beginnen und regelmäßig führen (nicht das hier)
  55. Vollmachten erteilen und einen Notar besuchen
  56. Eine ultrabequeme Jeanshose erwerben
  57. Auf gesündere Lebensweise Wert legen
  58. Yoga lernen
  59. Die Lieblingsorte meiner Kindheit und Jugend besuchen und dort Zeit verbringen
  60. Alle anderen Lieblingsorte besuchen und dort Zeit verbringen (aktuell auf das Hamburger Stadtgebiet begrenzt)
  61. Neue Lieblingsorte finden (aktuell auf das Hamburger Stadtgebiet begrenzt)
  62. Sämtliche HVV-Strecken komplett abfahren, die besten Punkte merken und mal so richtig besuchen
  63. Eine Hamburger Stadtrundfahrt machen
  64. Eine Hamburger Hafenrundfahrt machen
  65. Fremde und bekannte Leute beim Marathon anfeuern
  66. Die Island-Games besuchen
  67. Frisbee spielen
  68. Frisbee-Golf spielen
  69. Ausschlafen
  70. Den Geheimplatz am Isebekkanal besuchen
  71. Im Matsch matschen
  72. Im Schnee matschen
  73. Im Sand graben
  74. Kickern und gewinnen
  75. Eine Liste erstellen, mit Dingen, die man schonmal gemacht hat und wieder tun würde
  76. Mit Lego bauen

icebucket, scumbucket - a challenge?

Moin zusammen.
Ich wurde nominiert.
Zum Spenden von Geld (nicht Blut, Organe, Plasma, Stammzellen) für die Erforschung  einer Krankheit, die vorher deutlich weniger Menschen bekannt war. 
Ok, das lässt sich einrichten.
Und natürlich wurde ich auch nominiert zum Einreihen in die mittlerweile bereits massenhafte Verschwendung von Ressourcen, die in einigen Teilen der Erde so viel besser genutzt und noch viel dringender gebraucht werden, nur um online allen Leuten meine nasse Fresse zu zeigen und anderen Menschen "per Nominierung" den Schwarzen Peter weiterzugeben.

{Böse Zugen behaupten, dieses Medienphänomen sei ansteckender als Herpes.}

Das Ganze soll Transporteur für den ideell absolut nicht verwerflichen Gedanken sein.

Ich tue mich schwer, einen Weg zu finden, der diesen Gedanken weiterträgt, ohne eine Menge Wasser zu verschwenden, während ich dabei das Bewusstsein habe, dass anderenorts so dringend Wasser benötigt wird.

Wollte mich erst mit Staub vollkippen, um ein weniger schlechtes Gewissen zu haben.
Habe es gelassen, weil ich nicht genug Staub habe.

Und, weil ich meilenweit davon entfernt bin, ein Video von mir zu machen, um es dann auch noch allen vor die Nase zu setzen.

Stattdessen lehne ich mich auf anderem Wege weit aus meiner Komfort-Zone, blogge ausnahmsweise über mein innerstes Seelenleben und offenbare euch trotz der Fülle an unserem Alltag und dem vernachlässigten Rest der mit besseren Gedanken beschreibbaren Zeit, die unzähligen Schicksale, die den Menschen um einen herum oder am anderen Ende der Welt das Leben zur Hölle machen. Diese Schicksale tanzen vor meinem geistigen Auge eine Polonaise mit süffisant grinsenden Totenkopfmasken und zeigen mit ihren modrigen Fingern in die Richtung der Lebewesen, die ich nicht leiden sehen möchte.

Ob dies nun kranke, verwaiste, verhungernde, mishandelte, aussterbende, vereinsamte, verfolgte, vergessene Lebewesen sind, macht keinen Unterschied.

Und für alles gibt es eine Institution, in die man Geld spenden kann, in der Hoffnung, dass man damit mehr tut, als sein Gewissen zu erleichtern und das Marketing zu finanzieren.

Man sollte sich dessen bewusst sein und sich dem nicht verschließen. Man muss aber dabei aufpassen, dass es einen nicht auffrisst, denn damit hilft man auch niemandem weiter. Die meisten Menschen wollen grundsätzlich das Richtige tun, das glaube ich zumindest. Es ist manchmal leicht und oft schwer, aber niemals falsch, wenn man das Richtige tun will.

Ich nominiere hiermit die ganze verdammte megafette Welt, die sich hiermit angesprochen fühlt, zu folgendem:

Bitte spendet egal welchen und wievielen Lebewesen
  • Lachen
  • Liebe
  • Güte
  • Zuflucht
  • Zeit
  • Hoffnung
  • Freude
  • Glück
  • Wissen
  • Leben
  • Frieden
  • Schutz
  • Ruhe
  • Anerkennung
  • Vertrauen
  • Begeisterung
  • Ideen
  • legendäre Momente
  • unvergessliche Tage/Nächte
  • verdammt gutes Essen
  • ernst gemeinte Komplimente
  • supergute Literatur
  • ergreifende Musik
  • euer Lieblingsshirt
  • ...
Spendet doch einfach wenn ihr wollt, was ihr wollt, wem ihr wollt, macht keine große Sache draus. Irgendwann kommt alles Gute, das ihr tut, zu euch zurück...

am ende jobben wir doch alle gleich

hallali.

es ist zwar freitag abend und damit wochenende, aber heute war so einer dieser tage, wo man nochmal mit gedanken an seinen job und dem jobwechsel von einem gern gesehenen kollegen konfrontiert wurde und daher habe ich große lust, einmal für mich und den rest der welt - also euch - zu beschreiben, was mein job ist. keine sorge, ich spiele jetzt nicht die "überdenke mein leben"-karte und angeben will ich auch nicht. höhö. allerdings bin ich neugierig, wie viele menschen sich nach dieser jobbeschreibung in ihren eigenen jobs wiederfinden. denn ich habe die ahnung/befürchtung/hypothese: am ende jobben wir alle gleich.

also. es beginnt an meinem schreibtisch (kann auch synonym für traktor, kühlkammer, weltraumstation oder wildschweingehege sein). ich befinde mich morgens vor beginn der kernzeit und abends nach ende der kernzeit vorwiegend an diesem ort oder zumindest im näheren umkreis. in diesem fall wäre es eine siebte etage mit drei von vier möglichen flügeln und einem kernbereich.

dieser schreibtisch ist, je nach auslastung, entweder nach prioritäten organisiert oder chaotische massenzuchtfarm für panikzettel, muster- und warenlieferungen sowie öffentliche annahmestelle für bei mir geparkte idiotenaufgaben, auf die keiner lust hat.

zur zeit ist es übrigens letzteres, schließlich sind jetzt alle im urlaub und haben vorher noch ihren schreibtisch aufgeträumt.

um ein durcheinander zu vermeiden, schnell ergebnisse erzielen zu können und permanent an wirklich alles gleichzeitig zu denken, habe ich meine jobliste, anhand derer ich große themen gut planen und abarbeiten kann. natürlich läuft nie - NIE - alles nach plan. aber zumindest das geplante kann schonmal nicht vergessen oder ignoriert werden. selbst wenn ich vom lastwagen platt gefahren werde, können meine lieben kollegen jeden job auf meiner jobliste übernehmen und erledigen.

also.

neue jobs kommen hinzu, alte fliegen heraus, alles zu seiner zeit. das ist das ideal. dank internet und anrufbeantwortern bin ich sogar in der lage, außerhalb des arbeitsplatzes meinen job zu tun.

mein job ist es, anderer leute wünsche zu erfüllen.

meine motivation ist aus der ständigen überforderung zu wachsen und irgendwann eine eierlegende wollmilchsau zu werden.

zur zeit produziere, repariere, verziere, formuliere, organisiere, koordiniere, modelliere ich objekte, visionen und momente. darüber hinaus bin ich kummerkastentante, punchingball, juke box, pausenclown und geheimnisbewahrer. es ist nicht die erfüllung aller kühnen träume, aber es bewegt sich noch im eigenen komfort-bereich und komplett verdrehen muss man sich dafür auch nicht.

jeder mensch kann meinen job übernehmen. niemandes leben hängt von meiner abwesenheit ab und niemandes leben wird von meiner anwesenheit bedroht.

es ist ein guter job, der mir bisher häufig spaß gemacht hat und nur manchmal ernsthaft verflucht wurde. und ich mache ihn seit mittlerweile acht jahren jede woche so gut ich kann. dafür bekomme ich ein gehalt und kann im urlaub verreisen. ich bin damit zufrieden, auch wenn ich manchmal versucht bin, mir eine neue ausrichtung zu suchen, weil der job, so gern ich ihn mache, naturgemäß ziemlich frustrierend und undankbar ist. man darf dabei auch nicht vergessen, dass weisungsgebundenheit auch auswirkungen auf die motivation haben kann. und wenn man so eine grundlage als hauptlebensbestandteil pflegt, weil die erforderliche flexibilität terminorientierte hobbies einschränkt, kommt man schonmal auf den gedanken, etwas zu ändern.

und damit komme ich wieder an den anfang. ich habe die ahnung/befürchtung/hypothese, dass sich jeder andere job, den ich leisten kann, irgendwann genau so aufühlt, wie beschrieben. daher ist die angst vor einer solchen veränderung ziemlich groß, weil ich dann auch die vertrauten annehmlichkeiten aufgeben müsste, nur um am ende den gleichen salat aus einer anderen schüssel zu kauen...

30 legendary albums for me right now a.k.a. random hirnsachen for the english speaking ones

yeehaw, you marvellous sparkling sparkle sparkles of uncut flintstone-darlings!
it's time to improve my english again and you - yeah, i mean YOU - are free to correct whatever i wrote down here, unless it wasn't my mistake, but yours.
no offense.
 
so.
 
first, i adore english-speaking people say "so" to introduce their whatever-it'll-be-like monologue.
okay, i made more bad experiences with statements that began with "so", but that's a different story.
 
second, i'm slightly drunk (0,33 ml [i can't remember the equivalence to fluid ounces, sorry, the can is empty and far away from this place] of canned heineken to forget one of these special days/weeks/months/... i spent at work and, at once, covering the fear of the following days/weeks/months/...).
 
third, i really like the "information retrieved"-album from pinback (indeed, i didn't manage to get all the lyrics by now, so this is not a review of the metaphoric stuff or something besides "should it be so hard to have a nice day? don't feel so worthless in the meanwhile" [well, that's especially something i'd call genius in combination with the music and the whole compositive thingies around], but merely a "this is one of the best albums i ever spent time with"-tribute). this made me get the boring idea of collecting the most legendary albums that helped me through the first thirty years of my life and you'll all be punished with that. i promise not to do any further flashbacks for the next twelve posts in english.
 
fourth, yipp, i'll be turning thirty in a week and something. and i failed to see, that this is going to happen in such a short time. it's not that i started this sort of neurotic anxiety of getting old. it's just that "whew, where's the time? i didn't realize, i was that late". yarp, i am quite shocked of this loss of everything that happened between work and sleep.

fifth, i am not depressed, just shocked. really, i am proud, that i am going to manage a surviving of thirty years on this planet. that is amazing - if you knew me, you'd know what i was talking about.

sixth, yeah, now i can say: i am so old, i consider coffee the most important thing in my life.
 
seventh, okay, let's take a look the 30 albums that i currently like the most (no special listing, but still a list - and without looking into my music shrine, so...):

  • pinback - information retrieved
  • cake - fashion nugget
  • the knife - silent shout
  • the beatles - abbey road
  • rjd2 - since we last spoke
  • motorpsycho - trust us
  • frank turner - love ire + song
  • mogwai - mr. beast
  • mark ronson - version
  • radiohead - the bends
  • ben folds five - whatever and ever, amen
  • ocean colour scene - moseley shoals
  • the clash - combat rock
  • elliott smith  figure 8
  • metric - live it out
  • tocotronic - k.o.o.k.
  • arcade fire - neon bible
  • tool - lateralus
  • blur - 13
  • portugal. the man - church mouth
  • garbage - dto.
  • soulwax - much against everyone's advice
  • björk - homogenic
  • sneaker pimps - splinter
  • calexico - hot rail
  • the afghan whigs - black love
  • money brother - real control
  • tom waits - franks wild years
  • violent femmes - dto.
  • james - pleased to meet you
 
eigth, just kidding, nightynight

ninth, coming up on this blog: severeal top-30-lists, but, as promised, not in english...

an mein zukunfts-ich, 30 jahre später

hier die erinnerung an "damals" - zufällige gedanken mitte 2013.

ich lebe gerade in einer zeit, in der
  • singen und tanzen in der öffentlichkeit unschicklich (okay, dieses wort war auch schon vor 30 jahren von gestern) ist, außer es geschieht in teuren konzertarenen, in und um showpalästen oder in castingshows.
  • es cupcakes und pimientos del padrón tatsächlich schon in deutsche supermärkte geschafft haben.
  • das verdammte jahr schon wieder fast rum ist.
  • die welt glaubt, dass der us-amerikanische geheimdienst online-datenbanken und sozialnetzwerke durchleuchtet und keiner ahnt, dass das wahrscheinlich bereits seit jahren und von mehreren regierungen praktiziert wird, hashtags erleichtern das filtern.
  • ich jemanden kennen lernen durfte, der seine haare und nägel nach dem selberschneiden verbrennt und die asche im klo herunterspült, weil er angst hat, dass sein genetischer fingerabdruck geklaut und auf dem fiesen tatort verteilt wird und ich noch nicht sagen kann, ob das paranoid oder - achtung wortwitz #2.000 - doch nicht so an den haaren herbeigezogen ist.
  • die deutsche bürokratie das errichten von flutschutzwällen locker 10 jahre vermeiden kann, schneeschmelze und dauerregen diverse orte für 10 jahre versauen und vermutlich in den nächsten 10 jahren wenig daraus gelernt wird. abgesehen davon, dass die medien wieder für mindestens 10 jahre programm daraus schlagen können.
  • bildung immernoch mit intelligenz verwechselt wird.
  • die schnitte der 80er mit den farben der 90er als modesünden in den einschlägigen klamottenläden oder frisörsalons verschachert werden.
  • dubstep plötzlich massentauglich ist.
  • das leben um die arbeit herum geplant ist und man dabei noch viel flexibler überstunden machen kann - dem internet sei dank.
  • qr-codes total hip sind.
  • sogar schon die öffentlich-rechtlichen werbung in eigener sache offensichtlich in die nachrichten einbauen (und nicht mal mehr geschickt als redaktionellen beitrag tarnen, so, wie's die privatsender versuchen).
  • wohnraum in barmbek zwar teuer, aber wenigstens noch bezahlbar ist.
  • es in hamburg eine riesen anti-gentrifizierungsbewegung gibt, die scheinbar nocht groß genug ist, um gentrifizierung zu vermeiden
  • worte, wie gentrifizierung, monsanto, qr-code, dubstep, performance, high-level, attitude, in your face, all natural und starlet gerne und häufig in den alltagssprachgebrauch eingebunden werden und sich geradezu inflationär den weg durch hipster-küchenparties bahnen.
  • werbung in deutschland langweilig, irreführend, farblos, abgekupfert und stumpf ist.
  • der deutsche schauspielernachwuchs in der masse langweilig, irreführend, farblos, abgekupfert und stumpf ist.
  • in wirtschaftlich pseudostabilen ländern kinder in armut aufwachsen.
  • der häufigste berufswunsch von kleinen mädchen "society lady", "topmodel" oder "popstar" ist.
  • der käse zwar seit zwei jahren nicht teurer, die packung aber 20g leichter geworden ist. das ist übrigens ungefähr das gewicht einer scheibe. damit man das nicht gleich sieht, ist die schneidemaschine einfach auf feiner eingestellt worden. tja, vor 30 jahren nannte man das noch bauernfängerei.
  • eine twin peaks tribute folge von psych ausgestrahlt wird.
  • zahnpasta kehlkopfkrebs begünstigt.
  • die menschen fossile brennstoffe verfeuern und für die gewinnung dessen sogar die  auf unbestimmte zeit chemische verseuchung von trinkwasser in kauf nehmen würden.
  • ich total peinliche dinge sage, tue, höre und diese erst bereue, wenn ich das hier in 30 jahren wieder lese...

fakten des lebens (unsortiert) #2 - die generationsablöse

shalömchen.
es ist soweit.
ich befinde mich in meiner ersten überholten generation.
in meinem freundes- und bekanntenkreis schwimme ich altersmäßig im langweiligen mittelfeld und erfülle bei meinem immerhin bereits dritten sozialversicherungspflichtigen arbeitgeber meine gesellschaftliche pflicht des strebsamen bürgertums.
also bin ich zwar noch weit von der rente (in meiner generation glaubte man noch an sowas) entfernt, jedoch habe ich in den drei dekaden meiner existenz außerhalb von muttis schoß drei papstnamen gelernt, mehr als ein dutzend lebensmittelskandale verdaut und ebensoviele nahrungsmittelintoleranzen entwickelt, zwei heimische zahlungsmittel verheizt (wobei ich genau genommen, wenig vom ersten zahlungsmittel ausgeben konnte und das zweite zahlungsmittel arbeitswütig für einen rentenersatz oder eventuell auftretende finanzkrisen spare. egal, ob inflationsbedingt oder durch arbeitsplatzverlust - ja, liebe nachwuchsgeneration, in meiner kindheit gab's keine nennenswerte inflation, dafür gab's auch kaum arbeit). ich unterbreche an dieser stelle das weitere referieren über mein leben in zahlen. das thema "meine generation" findet irgendwann einen gebührlicheren artikel, als diesen hier, auch wenn dieser wahrscheinlich die folgende liste verständlicher macht.

also. ich bin geneigt, mal "raider wird twix" beiseite zu lassen, aber dennoch ertappe ich mich bei der frage, ob eine arbeitskollegin von mir, die 10 jahre jünger ist - ich glaube, es sind sogar 11 - etwas mit dem begriff libero anfangen könnte. damals in der schule im sportunterricht wollten bei uns alle mal libero sein, wenn wir fußball gespielt haben. mittlerweile weiß ich, dass es den nicht mehr gibt. also den libero, nicht den fußball. zu der zeit des libero gab es wahrscheinlich auch noch keine abseitsregel. mein rudimentäres fußballwissen endet genau an dieser stelle.

begriffe oder tätigkeiten, die es also in meinen aber nicht mehr ihren wortschatz geschafft haben:
  • der eben genannte libero
  • 2000 hamburg 20
  • jugoslawien und tschechoslowakei
  • bombay
  • zwo, eins, risiko
  • donnersduck
  • werner schulze-erdel
  • "hammertime"
  • video-/audio-kassetten und der trick mit dem rausgebrochenen nupsi, um das überspielen zu unterbinden
  • video-/audio-kassetten und der trick mit dem zukleben der lücke, wo eigentlich ein nupsi sein könnte, um das überspielen zu ermöglichen
  • nupsi
  • musik vom radio aufnehmen und der unmögliche versuch, das geplapper rechtzeitig rauszuschneiden (rückwirkend betrachtet war das wahrscheinlich illegal, aber jeder hat's gemacht)
  • analoge sendersuche und regelmäßige nachjustierung
  • mixed-tapes mit hilfe von mathematik so zu konzipieren, dass a) kein song abgehackt wird (dabei kam immer mal wieder ein nicht so tolles lückenfüller-stück zum einsatz) und b) keine lange pause entsteht, bis man die seite wechseln konnte
  • cover für mixed tapes von hand zu gestalten, weil der nadeldrucker nur grau-grün konnte und dafür eine stunde einen höllenlärm veranstaltet hat
  • nadeldrucker
  • floppy
  • einen audioträger (sorry, hatte nie laserdisc) umdrehen zu müssen, um diesen weiterzuhören
  • hörspiele auf lp
  • bandsalat und bleistifte als zusammenhängende struktur
  • 33 und 45 als zusammenhängende struktur
  • gabi die pfote
  • unihoc
  • "mouse driver not found, please click ok"
  • strunz flasche leer
  • poetry slam
  • latzhosen und tattooketten als modische accessoires
  • familie tanner
  • "es kann nur einen geben"
  • freddie mercury
  • al bano und romina power
  • "kaufen! verkaufen!" zu rufen, wenn jemand im bus auf seinem handy angerufen wurde
  • die t-aktie
  • knuffelbunt, mask, regina regenbogen und emily erdbeer
  • pannesamt
  • kleidung auf links tragen
  • sponti
  • zonk, ernstl
  • sillium
  • die hälfte von mfg
  • fanta pink grapefruit
  • neptun oder hansa aus dosen
  • altglascontainer in schokokussform
  • politisch mittlerweile nicht korrekte bezeichnungen, wie fräulein, friseuse, politesse sowie die vereinfachung von berufsbezeichnungen ohne berücksichtigung der weiblichen variante
  • ghettoblaster
  • kaffee zum mitnehmen. entweder schwarz, blond und oder süß. mehr nicht.
  • pager und autotelefone
  • dagmar berghoff in der tagesschau und ihre bezaubernde betonung von "bonn"
  • bonn als bedeutende stadt
  • formel eins (musik)
  • tbc.
für erste war es das. echte fakten des lebens, wie hier, waren das zwar nicht, aber die neue generation wird schon damit zurecht kommen.

eine nicht ganz ernst gemeinte hasstirade an die aktuelle jahreszeit

lieber herbst,
ich weiß, dass dir meine meinung, die ich zu dir habe, scheißegal sein und dich in deiner naturgegebenen ultraüberexistenz keinesfalls beeindrucken wird. dennoch werde ich hier nun meinen geballten unmut gegen dich in worte fassen.
was du mir getan hast?
och, nichts, was ich dir persönlich nehmen kann, schließlich bist du ja ultraüberexistent, ergo nehme ich dich hin, so als menschenwesen ohne besonderes talent in der jahreszeitenbeeinflussung.
(ich schwöre dir, wenn es anders wäre, wärst du längst geschichte...)
ich akzeptiere dich, weil die mir menschenmöglich realisierbaren alternativen einen größeren logistischen, finanziellen und zeitlichen aufwand als nutzen bedeuten.
(und ich in dieser hinsicht stinkfaul bin, sobald meine kuscheldecke und ich uns in unmittelbarer nähe zueinander befinden)
das beruhigt dich hoffentlich.

herbst, ich reduziere meinen groll gegen dich in eine stets beliebte killer-phrase: du nervst!

die haltung habe ich nicht erst seit gestern, es ist auch keine hormonschwankungsbedingte unstimmung, nein, ich habe mir ersthafte gedanken zu dir gemacht. ja, auch eine pro/contra-liste im geiste. man könnte anhand dieser liste meinen, du wärst ein personifiziertes arschloch. ein immerhin anfangs gutaussehendes, gut riechendes arschloch, weil du dich subtil anschleichst, dabei relativ langsam hübsch bunte blätter und erdigen naturtodesduft versprühst, aber das war dann auch schon das beste an dir.

du stiehlst nämlich allen das tageslicht, die wohlfühltemperaturen, die gesundheit im weitesten sinne, die gut gelaunten halbnackten, die wackeren lagerfeuermusikanten, die lust auf eiskrem und wassermelone, den antrieb aktiv zu sein oder wenigstens mal auf den zwutsch zu gehen, die schnell an der luft trocknenden klammotten, die sommerbräune, die open air-festivals und noch so vieles mehr.

und du bringst uns im gegenzug was?

sturmtiefs, regengüsse, matschekälte, erkältungs- und brechdurchfallviren, depressive menschen, mieses fernseh- und kinoprogramm, tageslicht nur innerhalb der arbeitszeiten, cardiovaskulär schädigendes essen (welches leider auch verdammt lecker ist), die zwingende notwendigkeit eines föns und den damit verbundenen extra einzuplanenden zeitaufwand, essbare und tödliche waldpilze (wobei hier die optischen unterscheidungsmöglichkeiten auch noch sehr marginal sind - danke dafür, todesbringer herbst!), den tod im breiteren spektrum von flora und fauna sowie vorgezogenen weihnachtsnaschkram.
juhu.
und da wunderst du dich, warum der frühling so viel cooler ist?
komm jetzt bloß nicht mit "kreislauf des lebens"-blabla-rechtfertigungen. der winter, der alte trittbrettfahrermistsack, kriegt auch noch irgendwann mal sein fett weg.
selbst der ist immernoch besser als du.
warum?
im winter ist halt bereits alles ein vierteljahr tot.
es ist tot.
leb damit.
im frühling kommt neues leben, die party kann beginnen, bämm!
aber bei dir, herbst?
merkst, was hier nicht stimmt?
alter!
wer hat denn schon bock, sich zuerst dein sich drei monate (in hamburg mehr, weil das ganze einen monat früher beginnt) hinziehendes und dabei stetig verschlimmerndes sterben anzutun, um im anschluss dann noch drei monate schockgefrosteten tod zu erleben, hm?

gut, das bisschen erntedankfest in den dörfern und das allmählich hier salonfähige halloween sind ja ganz nette rummelbummelrasseldassel-veranstaltungen - die aber nicht auf deinen mist gewachsen sind, nee nee! das eine hat der mensch sich gedacht, um dem lieben sommer tschüss zu sagen und beim anderen wird ein bisschen mit dem psychogemurmel lange verstorbener menschen - die höchstwahrscheinlich nun doch wieder auf dein konto gehen - herumgeulkt, damit die zeit mit dir nicht ganz so ätzend ist.

so, wie du gerade bist, will ich dich nicht haben.
heul wenigstens deswegen.
oder lass dir was nettes einfallen.
mich würde es schon unheimlich glücklich machen, wenn du nur ein bisschen weniger abscheulich wirst.

hommage an den giftgrünen unikomplex vom wiesendamm

kennt eigentlich irgendwer diesen gruseligen grünen turm, in dem studenten wohnen dürfen? der am borgweg? war dort schonmal jemand? vielleicht irre ich mich ja und bin immer gerade falsch abgebogen, in einem paralleluniversum gelandet und in der strafvollzugsanstalt für schwer verzogene geisteswissenschaftler gelandet. vielleicht übertreibe ich in meinen ausführungen unbeabsichtigt maßlos. aber mit sicherheit bin ich von diesem gebäude latent, naja, beeindruckt.

also nicht unbedingt von der warte der architektonischen besonderheiten dieser 60er-jahre-zweckbausünde, die den charme einer endzeitdramatischen zombieschutzfestung trägt.

da ich dort nie gelebt habe, kann ich ebensowenig von den (vielleicht für das oberflächliche besucherauge unsichtbaren) charmanten vorzügen dieses schimmelsporendurchzogenen asbestrelikts sprechen.

als besucher sind jedoch die paar details, die mir nebensächlich unter augen, nase und ohren gekommen sind, beeindruckend genug, um sie hier beschreiben zu wollen.
 
ich hatte also nun zum zweiten mal in meinem leben das zweifelhafte vergnügen, in diesem grünen bunker einem wohnhaftierten einen besuch abstatten zu dürfen.
 
es hat sich dort nichts geändert, seit ich zuletzt vor drei jahren dort eine ehemals enge freundin besucht habe:
 
diese wand aus abgegriffenen klingelknöpfen mit der nebendran angeklebten nummerierung der zellen am eingang unten. der sperrmüll, der in jeder etage zumindest als orientierung für erstbesucher dient, welche nicht auf anhieb das richtige stockwerk finden ("nach der roten stehlampe musst du auf den laubengang mit der plattenkiste"). diese feuerschutztüren, die keinem menschen auch nur die geringste überlebenschance aufwärts der 2. etage bieten. die nicht richtig schließenden fenster, was im sommer nicht schlimm ist, wenn man die hamburger jahreszeitenverteilung nicht kennt. das waren nur ein paar.
 
mein zweiter besuch blieb nicht so arg im gedächtnis, wie der erste. das hatte aber mehr damit zu tun, dass ich heute nur etwas abzuholen hatte und nicht mehr zeit in dem haus opfern musste, als beim ersten mal.

nichtmal das gemeinschaftsklo wollte ich, die von morschen donnerbalken in galizischen dörfern bis matschgruben in moskitozuchtstationen schon einiges gesehen hat, benutzen.

bei meinem ersten mal in dem horrorhaus freute ich mich den gesamten tag auf das treffen mit meiner dort inhaftierten freundin und noch einer gemeinsamen freundin. wir hatten uns vorgenommen, im studentenwohnheim gemütlich die dritte folge eines hörspiels zu konsumieren, das ich mitbringen wollte und vorab ein leckeres essen nach jamie oliver zuzubereiten, welches vor allem das vegetarierherz von einer der beiden freundinnen erfreuen sollte. ich erschien also nach der arbeit, wie besprochen, mit dem hörspiel im gepäck und erwartete sehnsüchtig das ofenfischgericht, welches die mädels schon fertig gebastelt haben wollten, damit wir mit wein und hörspiel mehr zeit haben. aufgrund studentischer zeitplanungsschwierigkeiten hatten die beiden freundinnen gerade erst mit der zubereitung begonnen, als ich dazustieß. obwohl ich auf anhieb orientierungslos durch das halbe gebäude gelaufen bin. der sperrmüll wurde teilweise in andere laubengänge geräumt, je nachdem, wer womit gerade wo durch musste... die fluktuation war da wohl etwas größer. nach meiner ankunft und einer csi-würdigen tatortinspektion öffnete ich den wein schlussendlich mit einem kugelschreiber, weil es in dieser studentenflurküche im 7. stock zwar 200 schneebesen aber keinen korkenzieher gab. anschließend konnten wir dann endlich das essen in dieser spartanischen virenzuchtanlage der studentenküche vorbereiten.

der ofen wurde vorgeheizt, als die vegetarierfreundin plötzlich aus heiterem himmel aus dem arm blutete. sowas passiert in diesem haus hoffentlich nicht öfter, dachte ich. sie konnte sich die sache beim besten willen nicht erklären, das ganze sah weder nach schnitt oder kratzer aus, eher nach einem "da hat die haut keine lust mehr, das blut unternimmt mal eine kleine abenteuertour... was weiß ich. sie hatte wenigstens keine schmerzen, dafür blutete sie alles voll.

ich konnte weit und breit keinen verbandkasten ausmachen, dafür einen feuerlöscher, der zuletzt wahrscheinlich am tag der erstinstallation so um die 90er geprüft wurde und wunderte mich nebenbei, weshalb der einzige feuerlöscher außerhalb des wohnbereichs ziemlich schwer und hoch an einer unglücklichen wand hing, die aufgrund ihrer entfernung zur (nur von innen zu öffnenden und immer selbst schließenden) tür erforderte, im falle des gebrauchs einen fuß nach hinten ausgestreckt in die tür zu klemmen (damit diese nicht während der von panik begleiteten intention eines löschversuchs zufällt) und gleichzeitig den 20 kilo-koloss aus einer höhe von 1,40 von der wand zu reißen.

was also technisch gesehen unmöglich ist, falls mal eine 1,50 kleine, zierliche spanische austauschstudentin mutterseelenallein versehentlich die küche in brand steckt, weil ein vollhorst spiritus im ofen versteckt hat, dieser beim vorheizen naturgemäß explodiert, dabei die gesamte plastikküche mit dem bratfett der letzten 40 jahre entflammt und die kleine spanische austauschstudentin, sofern sie das überlebt, panisch spanisch "fuego! fuego!" schreit und versuchen muss, den flur zu löschen, weil sie nicht gut genug versichert ist, um einfach diesen kotzturm von anonymisierster massenstudentenhaltung abbrennen zu lassen.

egal, brände sollte man hier nun prinzipiell keine entfachen und in ermangelung des verbandkastens auch keine verletzungen provozieren. man ist ja zumeist jung und liebt das risiko, wenn man hier lebt, dachte ich und bewegte mich zurück in die küche. die vegetarierfreundin blutete immernoch und brauchte dabei sämtliche taschentücher der umgebung auf. zwischendurch kamen ein haufen bärtiger anfang 20-jähriger mit viel zu großen pullis und diversen paletten mit red bull cola in die küche gestratzt, nahmen uns aus diesem kochschlauch noch das letzte bisschen platz und drängten uns netterweise mehrere dosen dieser cola auf.

gerade den flirtinstinkt der beständig blutenden vegetarierin geweckt, hauten die kerle kurze zeit später wieder ab. nach den gefühlt wie 2 stunden vergangenen 20 minuten war der ofen dann endlich vorgeheizt.
das merkten wir daran, dass plötzlich schwarze rauchschwaden aus der küche in den nebenan liegenden gruppenraum zogen (in welchen wir gegangen waren, um den cola-schleppern nicht im weg zu stehen).

da wir energiebewusste menschen sind (erziehung aus den 90ern in eimsbütteln funktionierte in der grundschule nunmal so), haben wir das essen natürlich während des vorheizens bereits in den ofen gestellt. weil die nichtvegetarische nichtblutende freundin die bleche, welche einer der flurmitbewohner scheinbar zu dekorationszwecken mit altem fett getränkt hat, ebenfalls zum vorheizen und in diesem fall abbrennenden ofen ließ, erinnerte ich mich an diesen unglücklich angebrachten feuerlöscher und bastelte ein horroszenario mit happy end im kopf zusammen.

der vermeintliche fettbrand ging glücklicherweise nicht über das bestialisch stinkende verdampfen von ranzigem hähnchenrest hinaus, dafür war jegliches umweltbewusstsein damit hin, dass das halbrohe brandraucharoma tragende fischgericht von mr. oliver kurzerhand in der sowieso eher schändlich gepflegten mülltrennungsanlage verschwand und wir pizza bestellten.

die adresse war für den pizzaboten bekannt. das etagen-zellennummerierungssystem nicht und mit dem sperrmüll kam er auch nicht zurecht. wir trafen ihn dann mit handypeilung auf einem laubengang an und hörten unser hörspiel.

was ich an diesem abend gelernt habe: sollte ich je studieren, dann nur mit genügend finanziellen mitteln, um in einer nicht lebensbedrohlichen unterkunft zu hausen und rotwein fördert zwar die durchblutung, aber er stillt plötzlich auftretende armblutungen.